„Wer, wenn nicht wir?“

Praxisbeispiel aus Dortmund, Projekt "Wer, wenn nicht wir?"

Die Dortmunder Nordstadt ist ein kulturell vielseitiger Stadtteil mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte. Der Planerladen e.V. ist dort schon seit beinahe 40 Jahren aktiv und setzt sich für die Teilhabe aller Menschen am Dortmunder (Stadt-)Leben ein. Zusammen mit den beiden Bündnispartnern Verein Junger Deutsch-Afrikaner e.V. und Bezent e.V. hat der Planerladen e.V. ein sechsmonatiges Musik- und Videoprojekt initiiert. Fünfzehn Jugendliche mit verschiedensten kulturellen Hintergründen – unter anderem türkisch, niederländisch, ghanaisch, kubanisch und portugiesisch – konnten sich teilweise zum ersten Mal künstlerisch ausprobieren. Die Teilnehmenden schrieben und komponierten zunächst eigene Songs und drehten anschließend ihre eigenen Musikvideos dazu. „In den kurzen Clips spiegelten sich ihre Hoffnungen, Wünsche und Sorgen wider. Sie konnten ihrer Gefühlswelt auf diese Weise einen kreativen Ausdruck geben“, beschreibt Ali Sirin vom Planerladen e.V. das Ziel des Projekts.
Eigene Ideen zu entwickeln und diese in die Realität umzusetzen, war für die meisten Jugendlichen eine völlig neue Erfahrung. Mit der Unterstützung von Projektleiter Simon Milz waren die Jugendlichen in jeden kreativen und technischen Arbeitsschritt involviert – von der Komposition über die Abmischung bis hin zu Videoschnitt und-bearbeitung. Im Verlauf der sechs Monate gewannen die Teilnehmenden deutlich an Selbstvertrauen. Je länger das Projekt andauerte, desto motivierter und engagierter brachten sich die Jugendlichen ein. Sie setzten sich intensiv mit ihren teilweise tragischen Lebensgeschichten auseinander, mit ihrem Alltag und ihrer Lebenswirklichkeit. Ihre selbst erarbeiteten Konzepte, ihre Persönlichkeiten und Talente wurden ernstgenommen und wertgeschätzt. Das zeigte sich insbesondere bei der Abschlussveranstaltung im Kino SweetSixteen des Dortmunder Kulturzentrums Depot e.V.. Im bis auf den letzten Platz belegten Saal wurden die neun während des Projekts entstandenen Videos Eltern, Freunden und anderen interessierten Gästen vorgeführt. Die Teilnehmenden und beteiligten KünstlerInnen gaben anschließend in Interviews und Gesprächen Einblick in das Projekt und ihre Erfahrungen. Die Eltern waren mitunter überrascht, welches kreative Potenzial in ihren Kindern steckt. „Der tosende Applaus und die Begeisterung der Gäste, natürlich auch das Lob der Eltern, waren Balsam für die Seelen der Teilnehmenden“, erzählt Sirin, „an diesem Abend waren die Jugendlichen die Stars.“
Die Musikvideos kamen so gut an, dass im Anschluss an die Veranstaltung sogar mehrere Jugendliche das Projektteam ansprachen: Sie waren so begeistert von der Vorführung, dass sie ebenfalls mitwirken wollten. Dem steht nichts im Wege, denn das Bündnis setzt seine Arbeit fort und wird im Rahmen von InterKulturMachtKunst – KunstMachtInterKultur ein Nachfolgeprojekt durchführen. Anderen an einer Förderung interessierten Projektträgern rät Sirin, frühzeitig Kontakt mit interessierten Jugendlichen aufzunehmen: „Ihnen sollte klar gemacht werden, dass das Projekt eine tolle Möglichkeit darstellt, sich kreativ einzubringen und dass das kreative Ergebnis dann auch tatsächlich wahrgenommen wird.“

Wer sich selbst einen Eindruck von den beeindruckenden Musikvideos verschaffen will, kann dies unter dem Youtube-Kanal des Jugendforums Nordstadt tun: https://www.youtube.com/channel/UCka_ycPBq7zu2DQQj8tmRYQ/videos



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Format: Regelmäßiges Angebot
Bündnispartner: Planerladen e.V., Verein junger Deutsch-Afrikaner e.V., Bezent e.V.