Hand in Hand

Praxisbeispiel aus Dortmund, Projekt „Hand in Hand“
Trotz der drückenden Sommerhitze ist der Veranstaltungssaal im Dortmunder Haus der Vielfalt gut gefüllt, als das Bündnis aus dem Kurdischen Verein Hevi e.V., dem Verbund der sozial-kulturellen Migrantenvereine in Dortmund e.V. (VMDO e.V.) sowie dem Kinder- und Jugendtheater Dortmund e.V. zu einer kleinen Vorführung geladen hat. Gleich zu Beginn zeigt sich: Der Projektname „Hand in Hand“ ist Programm. Elf Mädchen und Jungen zwischen 12 und 16 Jahren, alle mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte, führen sowohl verschiedene kurdische als auch arabische Folklore-Tänze vor – mal eingehakt, mal „Hand in Hand“, aber immer gemeinsam als Gruppe. Man merkt sofort, dass alle Kinder gut miteinander harmonieren. „Die Gruppe ist richtig zusammengewachsen, fast wie eine Familie“, erzählt die Projektleiterin und Theaterpädagogin Gülcan Boran. Dies war auch eines der Hauptziele des Projekts: Die Teilnehmenden sollten erleben, dass Diversität Gemeinschaft nicht ausschließt und dass jede*r Einzelne einen wertvollen Beitrag zu einem gemeinsamen Projekt beitragen kann. Diese Erfahrung lasse sich insbesondere durch Tanz vermitteln, beschreibt Boran: „Die verschiedenen Tanzstile sind unterschiedliche Formen der nonverbalen Kommunikation. Das führt die Gruppe als Einheit zusammen und ermöglicht Interaktion – ganz unabhängig von Differenzen in Sprache, Alter oder Herkunft.“ Dieses Gruppengefühl bleibt auch dem Publikum nicht verborgen – nach kurzer Zeit klatscht und wippt der Saal im Rhythmus der Musik und scheint die hohen Temperaturen einen Moment lang zu vergessen.
Die Tänze waren jedoch erst der Anfang – nach einer kurzen musikalischen Pause wird das Herzstück des Projekts präsentiert: Zwei kleine Theaterszenen geben einen Vorgeschmack auf das Abschluss-Theaterstück, das Anfang September im Kinder- und Jugendtheater Dortmund stattfand. Die Szenen handeln von Formen der Diskriminierung, die vielen der Teilnehmenden aus dem eigenen Umfeld vertraut sind: Rassismus, Vorurteile, Sexismus – diese und andere ernste Themen werden alltagsnah und pointiert dargestellt, gewürzt mit einer großen Prise Humor und Selbstironie. Als in einer Szene ein junger Schauspieler „Allahu Akbar“ ins Telefon ruft und alle Umstehenden sich panisch auf den Boden werfen, erklärt dieser ganz gelassen: „Ey, ich hab doch nur mit meiner Mutter telefoniert, entspannt euch mal!“ In solchen Momenten wachsen die jungen Darsteller*innen über sich hinaus und zeigen, welches Talent in ihnen steckt: Scheinbar mühelos schlüpfen die Kinder in die Rolle des lästernden Kollegen oder verdrießlichen Büroangestellten, was von den Anwesenden mit Gelächter und Applaus belohnt wird. Nicht nur das Publikum, auch Boran ist begeistert von der Schauspielleistung ihrer Gruppe: „Das sind jetzt echte Profis! Die Kinder haben im Rahmen des Projekts verschiedene Schauspieltechniken erlernt, die genauso bei Film und Fernsehen eingesetzt werden.“
Das zeigt sich auch am Umgang mit Bühnenbild und Requisite: Ohne viele Worte verwandeln sich ein paar Tische und Stühle kurzerhand in das triste Büro eines Arbeitsamts oder einen überfüllten Zugwaggon – allein durch das gekonnte Schauspiel der Darsteller*innen. Was bei dieser kleinen Vorführung bereits mit improvisierten Kulissen hervorragend funktioniert hat, wurde im September mit einem selbstgebauten Bühnenbild und selbstgemachten Kostümen noch gesteigert. „Die Kinder haben in stundenlanger Arbeit eine richtige Hütte für die Kulisse gebaut“, schwärmt Boran. Außerdem wurden viele Kostüme besorgt und sogar selbstgenäht. Bei dem Theaterstück handelt es sich um ein kurdisches Märchen, das vielen der Teilnehmenden bereits vor dem Projekt in unterschiedlichen Varianten bekannt war.

Für „Hand in Hand“ wurde dieses Märchen von Projektleiterin Boran erstmals ins Deutsche übersetzt. Sämtliche Theaterszenen sind also auf Deutsch verfasst, wie sie betont: „Sprachförderung war uns ein großes Anliegen. Davon profitieren auch viele Kinder mit Deutsch als Muttersprache.“ Für einige Teilnehmende stellte dies eine zusätzliche Herausforderung dar. Doch im Verlauf des Projekts fassten auch eher zurückhaltende Kinder Mut: „Mir war es wichtig, diese Kinder besonders darin zu bestärken, auch mal nach vorne zu gehen und sich zu zeigen: ‚Seht her, hier bin ich!‘“
Ungeachtet all dieser besonderen Anforderungen habe es ihr die Gruppe sehr leicht gemacht, erzählt Boran, alle Teilnehmenden seien unheimlich aufgeschlossen und kreativ in das Projekt eingestiegen und bis zuletzt hochmotiviert dabeigeblieben: „Und das ist nicht immer selbstverständlich bei der Arbeit mit Jugendlichen.“ Auch die Zusammenarbeit innerhalb des Bündnisses verlief reibungslos – während der Hevi e.V. seine Räumlichkeiten für die Proben zur Verfügung gestellt und sich um die Projektabwicklung gekümmert hat, war der VMDO e.V. vor Allem für die Zielgruppenerreichung zuständig. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund e.V. stellte dem Projekt seine Bühne für die Generalprobe und Aufführung zur Verfügung. Boran rät an einer KMS-Förderung interessierten Antragstellerorganisationen, sich schon im Vorfeld abzusprechen und das Projekt inhaltlich und organisatorisch abzustecken. Wichtig sei auch, die Kommunikationswege zu klären, um Missverständnisse zu vermeiden. Eine Fortsetzung des Projekts ist bereits in Planung: „Wir überlegen derzeit, das Märchen als Hörspiel zu vertonen und künftig noch mehr mit Musik zu arbeiten.“ Außerdem sei die Theaterleitung des Kinder- und Jugendtheaters derart begeistert gewesen, dass die Kinder das Stück ein weiteres Mal im Rahmen des Sommerprogramms vorführen dürfen. Der Bedarf an solchen Angeboten sei unbedingt gegeben, berichtet Boran weiter. Es habe weit mehr Interessent*innen als Plätze gegeben. Nach der tollen Leistung im Rahmen dieses kleinen Vorgeschmacks auf die Abschlusspräsentation ist das allerdings kaum verwunderlich.

Kontakt: Gülcan Boran guelcanboran@gmx.de

Format: Regelmäßiges Angebot
Bündnispartner: Kurdischer Verein Hevi e.V., VMDO e.V., Kinder- und Jugendtheater Dortmund e.V.



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Format: Regelmäßiges Angebot
Bündnisspartner: Kurdischer Verein Hevi e.V., Verbund der sozial-kulturellen Migrantenvereine in Dortmund e.V. (VMDO e.V.), Kinder- und Jugendtheater Dortmund e.V.